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Helmut Seel / Zugangsquote für deutsche Abiturienten?

von Helmut Seel
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.... wollen dies zu Recht nicht akzeptieren. Fragwürdige Quotenregelungen werden erfunden und mit wenig überzeugenden Argumenten wie etwa der Gefährdung der zukünftigen ärztlichen Versorgung in Österreich verteidigt.

Eine Freigabe des Wettbewerbs um die zur Verfügung stehenden Studienplätze erscheint unmöglich. Die deutschen Abiturienten schneiden deutlich bei allen Aufnahmetests und Zugangsprüfungen in den relevanten Studienrichtungen besser ab. Stellt dies dem österreichischen Schulsystem ein schlechtes Zeungnis aus ? Auch wenn man von der Reformbedürftigkeit des österreichischen Schulsystems überzeugt ist, kann die Antwort auf diese Frage nur „Nein" sein. Jedenfalls ist Qualitätsmangel in den Schulen keine ausreichende Begründung für den Sachverhalt.

Es sind vielmehr der Umfang und die Struktur der in der Schule geleisteten Studienvorbereitung, die sich auswirken. Deutsche Abiturienten haben beim Abschluss ihrer Schullaufbahn dreizehn Schuljahre absolviert. Sie können sich in den letzten Schuljahren am Gymnasium durch ein System von Wahlpflichtfächern und Leistungskursen gezielt auf bestimmte Studienrichtungen vorbereiten. Österreichs Maturanten haben insgesamt zwölf Schuljahre erfolgreich hinter sich gebracht. Die vierklassige Oberstufe der AHS ist inhaltlich stark einem traditionellen Begriff von Allgemeinbildung verpflichtet, der sich in einem starren Fächerkanon ausdrückt.Die Anzahl und Wahlmöglichkeit der Fremdsprachen erlauben zu wenig Differenzierung zwischen Gymnasium und Realgymnasium. Die geringe Zahl der Wahlpflichtfächerstunden gibt zu wenig Möglichkeit zur Setzung studienorientierter Schwerpunkte. Das Fehlen von unterschiedlichen Leistungsebenen in den Pflichtfächern verhindert die Entwicklung von Leistungsschwerpunkten in den individuellen Begabungsbereichen.

Man könnte daher an Stelle des Kampfes um Zugangsquoten zum Hochschulstudium an eine Schulreform im Bereich der AHS-Oberstufe denken: Durch die Schaffung einer fünfklassigen leistungs- und interessendifferenzierenden gymnasialen Oberstufe ohne Unterscheidung von Schultypen könnte mandie Wettbewerbsnachteile der österreichischen Maturanten beseitigen und Chancengleichheit mit den deutschen Abiturienten herstellen.. Im Vergleich mit den bestehenden fünfklassigen berufsbildenden höheren Schulen könnte man deren Zeitausmaß der Berufsbildung für eine gezielte Studienvorbereitung an der allgemeinbildenden (besser studienvorbereitenden) höheren Schule verwenden.

Dabei muss man eigentlich nichts Neues erfinden. Bereits im Schulorganisationsgesetz 1962 war eine fünfte Klasse für die AHS-Oberstufe vorgesehen. Das kurzsichtige und kleinmütige „Schulvolksbegehren" führte 1969 jedoch zu ihrer Sistierung und zur späteren endgültigen Abschaffung dieser Neuerung. Man sollte diese Pläne aus Aktualitätsgründen wieder ausgraben. Sie würden heute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wieder einem Volksbegehren zum Opfer fallen. Eine „Schonraumpolitik" wird hingegen die österreichischen Maturanten dauerhaft zur Zweitklassigkeit verurteilen.