Klaus Satzke / "Lehrerbildung Neu" und die Mühen der Ebene

von Klaus Satzke

Finanzstaatssekretär Lopatka ist zweifellos ein Mann fürs Grobe, den seine Chefs gerne zum Kläffen in die Öffentlichkeit schicken. Aber ganz Unrecht hat er nicht, wenn er Ministerin Schmied Säumigkeit in wichtigen Fragen vorwirft. Auch wenn man die Komplexität von Schulentwicklungsfragen nicht unterschätzen darf, so ergibt sich doch der Eindruck, dass auf große Ankündigungen ein unerklärlich langsamer Entwicklungsprozess folgt. Zwar kann man der Ministerin bei ihrer Argumentation folgen, dass Veränderungen in der Lehrerbildung nicht ohne Folgen für ein neues Dienstrecht bleiben können und daher entsprechende Klärungen Voraussetzung für den Beginn von Verhandlungen sind. Aber auch Pflichtschulgewerkschafter Walter Riegler hat nicht Unrecht mit dem Appell, die Ministerin müsse nun „dringend" über die neue Lehrerbildung entscheiden, sonst komme das Dienstrechtsprojekt gewaltig in Verzug.
Was die Sache schwierig macht, das ist der Widerspruch zwischen großen, aber abstrakten Ankündigungen und mangelnden Konkretisierungen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Zahl von Expertisen, weiteren Beratungsgruppen und einer Vielzahl von Veranstaltungen, ohne dass mit all diesen Aktivitäten auch ein Prozess der Klärung von zentralen Fragen verbunden ist.

1. Angekündigt wurde eine große Lehrerbildungsreform in Richtung einer einheitlichen Ausbildung für alle Lehrer. Tatsächlich aber ist zu hören, dass es keinen einheitlichen Ort der Lehrerbildung geben wird, auch nicht als Teil einer mittelfristigen Entwicklung, sondern weiterhin zwei getrennte Institutionen (in „Clustern" eingebunden oder „unter einem Dach"), eventuell mit abgestimmten Ausbildungsplänen. Wenn man denn glaubt, dass das ausreicht (was viele bezweifeln), dann sollte man endlich klären, was obige Zauberbegriffe („Kooperation in Clustern oder unter einem Dach") organisatorisch, institutionell und inhaltlich bedeuten. Nebenbei bemerkt: Wie kann man Stakeholderkonferenzen ohne solch eine Klärungen eigentlich sinnvoll gestalten?
2. Klar scheint zu sein, dass es in Hinkunft an allen allgemeinbildenden Schulen Lehrer mit Bachelor- und Masterabschluss geben wird. Wenn sich der Bachelor tatsächlich - wie im ExpertInnenbericht enthalten - zwischen AHS und Pflichtschule erheblich unterscheiden sollte, dann ist das nicht nur außerordentlich problematisch, sondern auch mit weitrechenden Konsequenzen für die Anrechnungen in einem weitergehenden Masterstudium verbunden. Auch hier gilt: Diese Frage kann man nicht monatelang aufschieben! Hier sind rasche und konkrete Antworten erforderlich!

3. Von zentraler Bedeutung ist selbstverständlich auch die Frage, welche Aufgaben der Bachelor in welcher Schulart übernehmen soll / kann. Die Vorstellungen in der ExpertInnengruppe waren ziemlich bunt und da und dort auch skurril. In den letzten Wochen war wohl deshalb häufig von einer Verwendung im Freizeitbereich und in der Lernbetreuung an ganztägigen Schulen die Rede. Es ist hoch an der Zeit, diese Gerüchte-Küche zu schließen und sich auf konkrete Modelle festzulegen!

Stellt sich die Frage, warum es immer wieder zu diesen langsamen und unübersichtlichen Entwicklungsverläufen im Bildungsbereich kommt. Im Folgenden einige mögliche Ursachen:

- Ankündigungen erfolgen oftmals als Reaktion auf einen tagespolitischen Druck oder Sachzwang und es fehlen entsprechende Vorarbeiten und Analysen. Beispielsweise besteht kaum mehr ein Überblick über alle Expertisen der letzten 20 Jahre; noch weniger gibt es ausreichend Analysen über die politische und ideengeschichtliche Entwicklung einzelner Themenfelder.

- Expertengruppen sollten entweder unabhängig von der Politik und deren Vorgaben arbeiten (etwa in der Tradition der Weißbüchern im anglikanischen Bereich) oder politiknahe, dann aber mit entsprechend klaren und auch öffentlich zugänglichen Vorgaben. Wir leisten uns zumeist Mischformen, bei denen die Expertengruppen in ihrer Not zwischen stillen Vorgaben und eigenen Überzeugungen zur Strategie des Ausklammerns oder der bewussten begrifflichen Unklarheit greifen!

- Mit einer gewissen Logik landen derartige Papiere dann in der Organisation des jeweiligen Ministeriums mit seinen politischen Stabsstellen und zuständigen Sektionen bzw. Abteilungen. Die Art der Ministerienorganisation und die Klarheit der internen Arbeits- und Entscheidungsstrukturen hat in der weiteren Folge einen erheblichen Einfluss darauf, ob es zu einer Dominanz von Personen- bzw. Gruppeninteressen kommt oder zu einer der Sache selbst dienenden Entwicklungsarbeit.

Auch wenn sich diese Überlegungen primär auf die erkennbaren Schwächen der Entwicklungsarbeit im Bildungsbereich beziehen, so soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass die angedeuteten Problemstrukturen vielleicht auch manche Pannen der dahinholpernden Regierungsarbeit erklären könnten.