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Lehrerbildung Neu am Ende

von Klaus Satzke
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Im Regierungsprogramm 2008 heißt es: „Eine Expertengruppe soll bis Ende 2009 ein Konzept für eine der Bologna-Struktur entsprechende, durchlässige und zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen abgestimmte Neuorganisation der verschiedenen Lehramtsstudien mit Aufnahmeverfahren auf tertiärem Niveau erstellen.“
Mitte 2012 muss das notwendigerweise zur Frage führen, wie es mit dieser Ankündigung und seiner politischen Akkordierung und Umsetzung aussieht. Es gibt zwar Pressemeldungen über Konturen eines zwischen den Ministerinnen Schmied, Fekter und Heinisch-Hoschek abgesprochenen Strukturkonzeptes, aber von einem konkreten Plan für eine abgestimmte Neuorganisation der Lehramtsstudien zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen kann keine Rede sein. Das Strukturkonzept der 3 Ministerinnen wird für die laufenden Verhandlungen für ein neues Lehrer-Dienstrecht gebraucht, es wurde in kleinen Häppchen über die Medien weitergegeben und es ist in seinen konkreten Konsequenzen wegen vieler Unklarheiten schlicht und einfach nicht diskutierbar.
Für die konkrete Umsetzung einer „Lehrerbildung Neu“ an den Universitäten und Pädagogischen Hochschulen ist das eindeutig zu wenig. Klar ist nur, dass diese Reform so wie im Regierungsprogramm angekündigt nicht stattfinden kann, alleine schon aus Zeitgründen, knapp ein Jahr vor Ende der Legislaturperiode.
Besonders irritierend ist, dass bei der oben genannten Minister - Koordination einer fehlte - der Wissenschaftsminister. Minister Töchterle erweckt den Eindruck, als ginge ihn das alles nichts an. Oder hat man schon irgendwo etwas gehört von einem Umbau der universitären Lehramtsstudien in Richtung Bologna-Struktur? Und die Botschaft, dass die Berücksichtigung der Bologna-Struktur eine Novelle zum Universitätsgesetz notwendig macht, scheint im Wissenschaftsministerium nicht angekommen zu sein.
Nun ist Ministerin Schmied ja mit dem Programmziel angetreten, ein umfassendes, einheitliches System der Lehrerbildung zu entwickeln. Ein derartiges Ziel hätte eine Abstimmung zwischen Wissenschafts- und Unterrichtsministerium vorausgesetzt. Derzeit aber besteht der zwingende Eindruck, dass die beiden zuständigen Minister nicht miteinander reden (können oder wollen) und jedenfalls von einer Abstimmung in Sachen Lehrerbildung keine Rede sein kann.
Als klar wurde, dass im Falle einer echten gemeinsamen Lösung unter Führung der Universitäten der Verlust der Zuständigkeit für ihr Ministerium drohe, setzte die Ministerin entgegen den ursprünglichen Ankündigungen voll und nahezu ausschließlich auf die Weiterentwicklung der Pädagogischen Hochschulen . Auf der Sachebene wäre die Abstimmung zwischen universitärer Ausbildung von Lehrern und deren Einsatz im nicht-tertiären Bildungssystem ein schwieriges, aber nicht unlösbares Problem. Aber konkrete Überlegungen zu dieser Frage gab es nie, daher auch nicht einmal den Versuch von Verhandlungen, und so wurde die universitäre Autonomie zum Ausstiegsargument aus der in Wahrheit gar nicht versuchten Kooperation und Koordination.
Zwischenzeitlich wird herumgedoktert! Dazu passt, dass man in die Verhandlungen um ein neues Dienstrecht für Lehrer Strukturvorstellungen über eine neue Lehrerbildung einfließen lässt, die so in den letzten 2 Jahren nicht diskutiert wurden. „Man geht grundsätzlich nur noch von einem Bachelorabschluss aus", berichtet ARGE-Lehrer-Chef Paul Kimberger (FCG) von der Verhandlungsrunde zum neuen Dienstrecht. "Das ist international unüblich, ich halte das nicht für klug", warnt er vor einer Abwertung der geplanten neuen Lehrerausbildung mit einem gleichwertigen Abschluss für alle Pädagogen.
Die Expertenpapiere und deren Diskussion haben gezeigt, dass ein gut ausgebildeter Mittelstufenlehrer mit einer soliden Fachausbildung, einer differenzierten Kenntnis humanwissenschaftlicher Erkenntnisse und einer zeitgemäßen fachdidaktischen Ausbildung auf der Basis eines Bachelor- Abschlusses nicht zu haben ist. Mit der Einschränkung auf ein Basis-Modul „Bachelor“, deren Akzeptanz im Übrigen in der AHS-Unterstufe in keiner Weise geklärt ist, hätte man das Projekt Lehrerbildung Neu erst gar nicht beginnen brauchen.
Aber warum nicht dort, wo der große Rahmen fehlt, kleine Schritt setzen? Wenn man nur wüsste, in welche Richtung! Auf Empfehlung des Entwicklungsrates bereiten die Pädagogischen Hochschulen Hochschullehrgänge mit Masterabschluss in den Bereichen „Kollegiales Lehren und Lernen“, „Schulmanagement“ und „Mentoring“ vor. Kann und soll das mit den Universitäten abgestimmt werden? Nochmals sei daran erinnert: Die Umsetzung der Bologna-Struktur (Bachelor + Master) bei den universitären Lehramtsstudien ist noch nicht einmal begonnen worden. Was soll da noch abgestimmt und koordiniert werden? Oder gilt der Grundsatz: Jeder für sich und keiner fürs Ganze?
Obwohl also derzeit kein klar umrissenes Konzept für eine neue Lehrerbildung vorliegt, hat die Ministerin bereits mit einem neuen Dienstrecht für die Pädagogischen Hochschulen Fakten geschaffen, die durchaus beachtenswert sind. Man fragt sich nur, wie das mit dem fehlenden Lehrerbildungskonzept zusammenpasst.
Stärkung der Forschungskompetenz , Doktorats-/Habilitationsstipendien und Personalentwicklung an den Pädagogischen Hochschulen, das ist schön und gut, aber hat man – abgesehen von den hohen Investitionen - auch eingeschätzt, wie lange solche Prozesse dauern?
Im Bereich schulbezogener Forschung, aber auch in der fachdidaktischen Entwicklung gibt es in Österreich punktuell herzeigbare Entwicklungen, die aber fast ausnahmslos nicht im Bereich der Pädagogischen Hochschulen situiert sind. Nochmals daher die Frage: Gibt es eine Schätzung, wie lange es dauert, eine Organisation wie die Pädagogischen Hochschulen an internationales Niveau heranzuführen? Eine private Schätzung: 15 Jahre.
Resümee:
Es gibt keine Koordinierung der Lehrerbildung zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen.
Mit der Festlegung auf das Modell Bachelor als Grundqualifikation + Induktionsphase und einer allfälligen berufsbegleitenden Master-Ausbildung sind wesentliche Qualitätsziele nicht erreichbar.
Ein Vergleich bzw. eine Adaptierung zwischen universitären und hochschulischen Bachelor-Abschlüssen (inkl. Fragen der Anrechnung) ist aufgrund der Untätigkeit im Uni-Bereich nicht möglich.
Grundsätzlich fehlt es nach mehr als 2 Jahren Diskussion über Expertenpapiere an einem klaren, politisch akkordierten (schriftlich vorliegenden) Strukturmodell, das Grundlage für die weitere Entwicklungsarbeit sein könnte.
Fast hat man den Eindruck, dass für den nicht gerade unwahrscheinlichen Fall des Scheiterns der Verhandlungen über das neue Lehrerdienstrecht auch die angekündigte Reform der Lehrerbildung fällt.