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Das Bifie* – Datenverlust, Vertrauensverlust und diffuse Aufgabenstellungen

von Klaus Satzke
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Man muss kein Parteigänger der Grünen sein, um die sachkundigen Analysen und Vorschläge von Harald Walser zu Fragen der Schulentwicklung zu schätzen. In der Angelegenheit des Bifie, ausgelöst durch den Skandal um ein Datenleck, ist ihm völlig Recht zu geben, wenn er eine grundlegende institutionelle Neukonstruktion des Bifie fordert (siehe Presseaussendung Harald Walser und Bericht des Standards v. 3.3.2014). Für diese Institution ist es tatsächlich massiv schädigend, wenn sie in den Geruch kommt, im Auftrag des Ministeriums oder aus vorauseilendem Gehorsam Daten zurückzuhalten oder Datenauswertungen manipulativ zu veröffentlichen oder ungewollt durch Schlamperei durchsickern zu lassen. Unterrichtsministerin Schmied hat diese Zweifel zusätzlich genährt, als sie in ihrer Amtszeit immer wieder Personalentscheidungen ziemlich autokratisch traf, beispielsweise als interimistischen Leiter des Bifie einen hohen Beamten des Ministeriums einsetzte und schließlich bei der Besetzung einer neuen Leitung auf einen ehemaligen Beamten des Ministeriums zurückgriff. Das sind Todsünden, wenn es darum geht, der Öffentlichkeit, den Schulbehörden und vor allem den einzelnen Schulen gegenüber glaubhaft zu machen, dass es dieser Institution tatsächlich um Unabhängigkeit und Objektivität geht. Besser als das Modell einer nachgeordneten Dienststelle des Ministeriums ist daher unzweifelhaft die von Walser vorgeschlagene Konstruktion einer unabhängigen Institution, die von einer transparent ausgewählten Person geleitet und von einem Aufsichtsrat aus Experten kontrolliert wird. Die bedeutende Rolle, die etwa in der Wirtschaftspolitik Einrichtungen wie das Wifo oder das IHS spielen, wäre auch und gerade für die Bildungspolitik mehr als wünschenswert.
Das Thema „Zukunft des Bifie“ ist aber längst nicht nur eine institutionell-organisatorische Frage, sondern auch und in erster Linie eine inhaltliche Frage. Schließlich und endlich ist das Bifie ja in vorderster Linie mit dem Projekt der Bildungsstandards verbunden, und dabei handelt es sich um eines der großen Schulentwicklungsprojekte mit einer langfristigen Wirkungsperspektive. Nunmehr liegen die Ergebnisse der Standardüberprüfung 2013 in Englisch, 8.Schulstufe vor. Man fragt sich, was nun weiter geschieht. Ist es mit der Rückmeldung der ausgewerteten Daten an Lehrer, Schulleiter und Schulbehörden getan? Glaubt wirklich jemand, dass alleine die Datenübermittlung zu Veränderungen führt? Es geht ja nicht darum, einfach nur Defizite festzustellen und diese dann „auszumerzen“! Im Gesetz (BGBl. II Nr. 1/2009) heißt es völlig zu Recht: „Die Auswertungen der Standardüberprüfungen haben so zu erfolgen, dass auf deren Basis Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung bundesweit, landesweit und schulbezogen erfolgen können.“
Die Webseiten des BIFIE sind voller Ankündigungen über begleitende Maßnahmen. Welche davon sind realisiert? Welche Unterstützungsangebote für Schulleitungen und Lehrerkonferenzen gibt es? Gibt es eine Plattform, wo Erfahrungen ausgetauscht und Hilfen abgerufen werden können? Wie und wann wird die Öffentlichkeit informiert? Gibt es überhaupt ein Konzept über die notwendige Kooperation zwischen Ministerium, Schulbehörden, Schulen und dem Bifie?
Jedem muss klar sein, dass der aktuelle Vertrauensverlust des Bifie bei einer derartigen komplexen Aufgabenstellung einigermaßen verheerende Auswirkungen hat. Andererseits kann man niemand Verantwortlichem den kritischen Hinweis ersparen, dass das Projekt Bildungsstandards nunmehr seit weit mehr als 10 Jahren (!) entwickelt wird. Da kann ja die Frage nach den Gesamtmaßnahmen und einer Koordinationsplattform nicht völlig überraschend kommen! Eine schlimme Perspektive wäre es jedenfalls, wenn sich das österreichische Schulwesen mit dem Bifie einen Daten sammelnden Moloch eingewirtschaftet hat, vor dessen Auswertung und Veröffentlichung (durch Datenlecks oder ganz offiziell) man sich fürchten muss, weil am Ende alle angepatzt werden(siehe Mittelschulprojekt), aber letzten Endes alles beim Alten bleibt!
Mancher erinnert sich vielleicht: Bei den Schulversuchen in den 70er Jahren gab es eine Trennung zwischen Datenerfassung bzw. Datenauswertung und der pädagogischen Begleitung von Schulen. Beim Bifie hat man alles zusammengelegt! Das ist – wie beim Grundsatz der Gewaltenteilung in Legislative und Exekutive – eine Todsünde wider den Geist von Schulentwicklung.
*Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung