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Schulautonomie – das unbekannte Wesen!

von K. L. Satzke
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Schulautonomie – das unbekannte Wesen!

Die Arbeit  der Bildungsreformkommission bestand bislang vor allem im Diskutieren und Verschieben von Terminen. Am 22. Jänner war es dann soweit! Die erste Sitzung der illustren Runde fand statt und erbrachte erwartungsgemäß keine Ergebnisse.

Obwohl es schwer fällt, zu „Nicht-Ergebnissen“ Stellung zu nehmen, werden im Umfeld der Kommission und in ersten Kommentierungen aus dem Kreis der Kommissionsmitglieder doch einige interessante Phänomene sichtbar.

Bemerkenswert ist, dass es nach der Sitzung niemand mehr wagt, über nackte Kompetenzansprüche zu reden. Das ist ein Erfolg des öffentlichen, insbesondere auch des medialen Drucks, der auf die Notwendigkeit inhaltlicher Reformvorstellungen nachdrücklich verwies.

Das führt allerdings auch zu Wortakrobatik und taktischen Winkelzügen. Jedenfalls hat man das Zauberwort „Schulautonomie“ entdeckt. LH Pröll am 23.1.2014, also nach der Sitzung: „Ich glaube, dass zu wenig Freiraum für den Idealismus und das pädagogische Engagement der Lehrer gelassen wird. Ich glaube an die autonome Schulverwaltung.“  Was darunter zu verstehen ist, bleibt völlig offen. Autonomere Schule oder autonome Schulverwaltung? – Das ist hier die Frage! Aber wenn das ein Landeshauptmann sagt, der quasi als die Verkörperung des Länder – Zentralismus anzusehen ist, dann muss es wohl etwas bedeuten.

Was tatsächlich an diesem „Nicht-Ergebnis“ der ersten Sitzung der Reformkommission irritiert, das ist die Unprofessionalität, mit der ein derartiges Vorhaben begonnen wird. Ohne Vorabklärung von Schwerpunkten und ohne zumindest grobe Konzeptvorstellungen wird so eine hochrangige Runde doch wieder nur zum Ort eines Geschwafels, wo das Ausklammern und Aufschieben von divergenten Themen und ein Auslagern von Konzeptarbeit in Expertengruppen (zum wievielten Mal!) im Vordergrund steht. Die Idee einer Erprobung von Schulautonomie passt da dazu! Vielleicht sollte man auch die Steuerreform vor Einführung regional erproben!

Die Thematik „Schulautonomie“ ist jedenfalls für dieses Dilemma ein Musterbeispiel. Derzeit haben lediglich die NEOS so etwas wie ein Konzept über ihre Vorstellungen von Schulautonomie vorgelegt. Man muss dem Papier „Talente blühen / Nationale Initiative: Schulautonomie“ durchaus nicht in allen Punkten zustimmen, aber das Drei-Ebenen-Modell (Schule – Bildungsregion – Ministerium), die klare Unterscheidung von pädagogischer, personeller und finanzieller Autonomie, die Konkretisierung der Einzelmaßnahmen für Schüler, Lehrer und Eltern, das alles unterscheidet sich wohltuend vom nebulosen Geschwafel, das andernorts zu hören ist. Zumindest wird jedem interessierten Leser klar, dass Schulautonomie ein komplexes Vorhaben ist, das nur in seiner Verzahnung mit anderen konstitutiven Merkmalen des Schulsystems sinnvoll betrachtet werden kann.

Das Konzept zeigt allerdings auch, dass sich die Neos nicht von ihrer ideologischen Herkunft  lösen können. Es handelt sich letztlich um ein Marktmodell – Schulen als Anbieter und das Bessere wird sich schon à la longue durchsetzen! Mag sein, dass durch den wichtigen und richtigen Gedanken von Bildungsregionen einige der daraus resultierenden Probleme abgefangen werden können.

 Auch bei den Grünen gibt es lediglich Bekenntnisse zur Schulautonomie und einige strukturelle Überlegungen, aber kein wirkliches Konzept.

 Bei den beiden Regierungsparteien hingegen liegt im Grund gar nichts vor, oder es wird sehr, sehr geheim gehalten.  Hat man aus den Analysen der Griss-Kommission nichts gelernt? Ohne umfassende Problemanalyse und ohne ein Abwägen von Alternativkonzepten kann es keine verantwortungsvolle (Bildungs-)Politik geben!