Angstschweiß
von Klaus SatzkeArtikel drucken
Was in Kenntnis der Denk- und Arbeitsweisen unserer „Bildungspolitiker“ zu erwarten war, das ist nun eingetreten. Hinter dem Nebelvorhang der Thematik „Schulautonomie“ zeichnet sich nun die Möglichkeit eines „big deals“ ab, bei dem die Verländerung der Schulverwaltungskompetenz gegen irgendetwas, das mit Gesamtschule zu tun hat, abgetauscht werden könnte.
Schon vor einem halben Jahr hat Helmut Seel in seinem Beitrag „Schulreform im Schneckentempo“ prognostiziert: „Schätzt man die Tätigkeit der Schulreformkommission realistisch ein, so könnte in absehbarer Zeit ein Interessenabtausch erwartet werden: Die SPÖ stimmt der Erweiterung der Kompetenzen der Bundesländer in der Schuladministration zu, die ÖVP ermöglicht Schritte in Richtung der Gesamtschule für den Mittelstufenbereich.“
Nun berichtet „Die Presse“ vom 11.11.2015 „Häupl rechnet, wie er bei einem Hintergrundgespräch verriet, nämlich damit, dass den Bundesländern durch die Bildungsreform die Modellregionen für die Gesamtschule erlaubt werden sollen.“ Damit bringt der Politprofi Häupl eine Thematik ins Spiel, die diesem merkwürdigen Gremium von Berufspolitikern / Nicht-Schulexperten noch am ehesten angemessen ist: Ein Abtausch von strukturellen Interessensphären, der zu keinem Gesichtsverlust führt und irgendwie auch noch als Reforminitiative zu verkaufen ist. Wem es um die Wahrung von Entwicklungschancen für unser Schulwesen geht und nicht um das Herauswurschteln aus einem selbstverschuldeten Verhandlungsdilemma, dem muss die aktuelle Situation allerdings den Angstschweiß auf die Stirne treiben:
- Reicht die Zeit (nicht einmal 7 Tage), um sich in dieser komplexen Materie auf ein sinnvolles Konzept zu einigen?
- Ist die Koalition in ihrer gegenwärtigen Verfassung überhaupt in der Lage, zu Kompromissen zu gelangen, die nicht mehr Schaden anrichten als sie Nutzen zu stiften vermögen?
- Drohen am Ende wieder Schulversuche, die - wie in den 70er-Jahren unter Sinowatz und zuletzt unter Claudia Schmied - lediglich Entscheidungen aufschieben und nichts zur Durchführung von notwendigen Reformschritten beitragen?
- Stehen wir vor einer Phase der Schulentwicklung, wo Ländermodelle gegeneinander ausgespielt werden und einheitliche Strukturen der Vergangenheit angehören?
Der Vorstoß von Bürgermeister Häupl hat jedenfalls den Vorzug, dass er zu einer Klarstellung führen sollte, ob sich die Bildungspolitik vor dem Hintergrund einer mehr als vierzigjährigen Blockade noch zu einem vernünftigen Kompromiss durchringen kann, der der Schule eine Chance gibt und sie vor dem Kreislauf der ewigen Wiederkehr des Gleichen bewahrt!
K.S.