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Was gibt es da zu feiern ? Anmerkungen zur Erfolgsmeldung der Unterrichtsministerin über die Neue Mittelschule

von Helmut Seel
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Mit gehörigem medialen Aufwand hat die Unterrichtsministerin den Gesetzesentwurffür die Neue Mittelschule präsentiert und in Übereinstimmung mit der ÖVp denvollständigen Ersatz der Hauptschule durch die Neue Mittelschule bis 2018 verkündet.Zum Gesetzesentwurf eine grundsätzliche Feststellung: Es hätte schlimmer werdenkönnen. Aber nach der Abschaffung der Leistungsdifferenzierung in derSchulorganisation hat man negative Folgen in den Bestimmungen über einedifferenzierten Leistumgsbeurteilung und ihrer Konsequenzen imSchulunterrichtsgesetz auffangen können. Was sind aber die Realitäten ?

  • Die Namensschilder an den Türen der Hauptschulen werden ausgewechselt EinSchritt näher an die gemeinsame Schule für alle Zehn- bis Vierzehnjährigen istaber nicht gelungen. Was auch der Bundeskanzler resignierend festgehalten hat.Es ist vielmehr die Frage zu stellen, ob nicht die Distanz zur AHS größergeworden ist. Bundesminister Dr. Moritz hat 1984 den Hauptschullehrplanwortident mit dem der Unterstufe derAHS gestaltet. Von den Lehrern dermittleren (zweitenJ und der unteren (dritten) Leistungsniveaugruppen sind dieAnforderungen den geringeren Betähigungen der Schüler entsprechend zureduzieren. Bezüglich des Lehrplans der Neuen Mittelschule wird nur in denErläuterungen darauf hingewiesen, dass die Anforderungen der "vertieften Allgemeinbildung" den Anforderungen der AHS entsprechen werden. Gespannt kann man sein, wie die davon verschiedene "grundlegende Allgemeinbildung"formuliert sein wird. Und wie wird der Lehrplan der Neuen Mittelschule in denStammklassenfächern der Hauptschule (Realien und musisch-technischeUnterrichtsgegenstände) im Vergleich zur AHS aussehen? Die Eltern in denVersuchschulen der Neuen Mittelschule sehen sich getäuscht In der NeuenMittelschule wird der AHS-Lejrplan nicht gelten. Und auch von der Mitwirkungvon Lehrern höherer Schulen im Team Teaching ist nicht mehr die Rede.Allerdings gibt es unterstufenerfahrene AHS-Lehrer in den Schulversuchenohnehin kaum. Allenfalls konnte man jüngere Lehrer berufsbildender höhererSchulen rekrutieren, die nur über eingeschränkte Oberstufenerfahrung verfügen. 
  • Dem Arrangement der Unterrichtsministerin mit der ÖVP, die Hauptschule in dieNeue Mittelschule umzuwandeln und die AHS-Unterstufe unverändert bestehenzu lassen, fehlt nach wie vor eine schulpolitische Entscheidung in der SPÖ. Hierwird ja vom Bildungsprogramm 2004 abgewichen. Die ÖVP hat dieUnterrichtsministerin über der Tisch gezogen. Diese hatte sich bereits viel zuweit für die Neue Mittelschule vorgewagt und musste zugreifen, um nicht dasGesicht zu verlieren. Sie verlor aber damit die Chance, nach Ablauf derSchulversuchsperiode mit der Neuen Mittelschule gemäß § 7a SchOG auf Grundeiner ergebnisbezogenen Evaluation eine schulpolitische Entscheidung bezüglichder gemeinsamen Schule für alle Zehn- bis Vierzehnjährigen zu erzwingen. SolcheEvaluationen wurden zwar 2007 in Auftrag gegeben, wurden aber wieder"schulbladiert" (vgl. F. Eders Bericht bei der ÖFEB-Tagung 20011 "Die Evaluation,die keiner wollte ... Rezeption und Verwertung eines obsolet gewordenenProjekts" mit dem Hinweis: "Die Einrichtung der Neuen Mittelschule erfolgtewenig evidenzbasiert und zumindest ohne expliziten Bezug auf Evaluierung desBestehenden. Die Kollateralwirkungen sind durch das Zusammenprallen vonDesinteresse, Umsetzung und Vergessen auf Seiten der Bildungsadministrationmit dem Wunsch nach Veröffentlichung, Umsetzung und Wirksamkeit auf Seitender Projektbetreiber charakterisierbar". ÖFEB-Tagung Abstracts S.16. Vgl dazuauch F. Eder/ G. Hörl (Hg.): "Schule auf dem Prüfstand", LIT-Verlag Wien 2010). 
  • Dass sich die Nachfolgerin der Hauptschule "Mittelschule" nennen darf, kannwohl kaum als bildungspolitischer Erfolg verkauft werden. Der Name wurde zwarder neuen Hauptschule 1983 von der ÖVP verweigert, aber bereits in der Zeit derErsten Republik versuchten die Christlich-Sozialen durch das Angebot einer"Volksmittelschule" die Sozialdemokraten von ihrer Forderung nach einerAllgemeinen Mittelschule abzubringen. Diese waren damals standhaft und haben1927 die Einführung der Hauptschule als einer potenziellen AllgemeinenMittelschule erreicht. In dieser Hinsicht wurde 1983 in der Reform derHauptschule durch Übernahme der Organisationsform der IntegriertenGesamtschule der Schulversuche 1971- 1983 ein Fortschritt erzielt:wortgleicher Lehrplan mit der AHS-Unterstrufe und Anerkennung des oberenLeistungsniveaus (erste Leistungsgruppe) als Leistungsgleich mit der AHS. Auchhier zeichnet sich eine Entfäuschung der Schulversuchseltern ab, erwartetenviele doch in der Neuen Mittelschule eine "alte" Mittelschule zu gewinnen, wie dieVorgänger der AHS bis 1962 hießen. 
  • Ein Fortschritt gegenüber 1983 könnte sein, dass die Schulversuche gemäß § 7ain der AHS fortgesetzt werden können. 1983 hatte die ÖVP noch daraufbestanden, dass nach der Einführung der Struktur der Integrierten Gesamtschulein der erneuerten Hauptschule keine weiteren Schulversuche imMittelstufenbereich (Sekundarstufe I) durchgeflührt werden dürften. Die ÖVpkann dieser neuen Regelung wohl deshalb zustimmen, da es sich in der Realitätwohl um "totes Recht" handeln wird. Dafür werden der ÖVP-nahe Berufsverbandder AHS-Lehrer und die "standesbewussten" Eltern der AHS-Schüler schon sorgen.

Zwei Anmerkungen zum Schluss. Bei der Novellierung des § 3 desSchulorganisationsgesetzes ist offenbar die Gliederung des Sekundarschulbereichs ineine Sekundasrufe I und eine Sekundarsufe II entsprechend den internationalenGepflogenheiten wieder am Widerstand der ÖVP gescheitert. Oder hat man sie vielleichtgar nicht verlangt? Und zweitens: Die Verwendung des Begriffs "Portfolio" weicht vomVerständnis in der schulpädagogischen Diskussion ab. Man sollte eine andereBezeichnung für diese Wiederauferstehung der "Schülerbeschreibung" suchen.