Helmut Seel / Vom "Schweigen im Walde" bzw. in der GÖD
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Der Vorsitzende des „Verbandes Bildung und Erziehung", der deutschen Lehrergewerkschaft, warnte die deutschen Bildungsminister im Juli 2007 „nachdrücklich davor, den Bologna-Prozess für eine Spaltung der Lehrerschaft in Bachelor - Lehrer und Master-Lehrer zu missbrauchen und dadurch einen Prozess der Deprofessionalisierung im Lehrerberuf einzuläuten". Als „unmissverständliches Signal an die Länder" wird auf die „Erklärung von Leipzig" vom 16. Juni 2007 hingewiesen.
Dort ist zu lesen: „Um ein Bildungs- und Erziehungssystem im Interesse der Jugend auf höchstmöglichen Niveau verwirklichen zu können, stimmen die unterzeichneten Lehrervertreter überein, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, dass für die Lehrerinnen und Lehrer eine dem modernsten Stand der Wissenschaft gerecht werdende Aus- und Weiterbildung sichergestellt wird. Das heißt, dass eine Ausbildung für alle Pädagoginnen und Pädagogen mindestens auf der Höhe eines akademischen Mastergrades (mindestens 6 plus 4 Semester bzw. 180 plus 120 ECTS) gefordert wird. Darüber hinaus muss auch eine hochwertige Fort- und Weiterbildung für alle Pädagoginnen und Pädagogen gewährleistet und ermöglicht werden. Das ziel, für alle Lehrerinnen und Lehrer nicht nur eine gleichwertige Aus- und Fortbildung auf dem geforderten gemeinsamen hohen Niveau, sondern auch die notwendigen Rahmenbedingungen für die Vermittlung von Wissen und Können, Fähigkeiten und werten zu erreichen, soll durch gemeinsame Aktionen und Initiativen gefördert und in die Tat umgesetzt werden."
Der erste Absatz der „Leipziger Erklärung" wird nachgestellt. „Die unterzeichneten Vertreter des Lehrerstandes Deutschlands, der Schweiz und Österreichs haben bei ihrem Treffen am 16. Juni 2007 in Leipzig festgestellt, dass die Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer für die weitere Entwicklung der Gesellschaft im Sinne europäischer Identität sowie für die Ermöglichung einer freiwilligen Mobilität der europäischen Bürger von grundlegender Bedeutung sind." Unterzeichnet wurde diese „Leipziger Erklärung" für Österreich von Walter Riegler, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer in der GÖD, der Gewerkschaft öffentlicher Dienst.
Da fragt man sich doch: Wo bleibt die Stimme des Protests der Pflichtschullehrergewerkschaft gegen die Einführung der „Pädagogischen Hochschulen" durch das „Gesetz über die Pädagogischen Hochschulen und ihre Studien (Hochschulgesetz 2005)" ? In diesem wurde - entgegen den zwischen SPÖ und ÖVP akkordierten Intentionen des Akademiestudiengesetzes 1999, welche offensichtlich ein Magisterstudium für die Pflichtschullehrer in den zu schaffenden Hochschulen für Bildungsberufe vorgesehen hatten - ein Bachelorstudium für die Pflichtschullehrer aller Kategorien ohne Durchlässigkeit zu den Universitäten eingerichtet. Das Gesetz wurde in der letzten Phase der Kleinen Koalition gegen die Stimmen der SPÖ und der Grünen im Parlament durchgepeitscht. Diese damit geschaffenen Pädagogischen Hochschulen erreichen nicht einmal Fachhochschulniveau, da ihnen die akademische Autonomie (Selbstverwaltung) vorenthalten und die Grundlagen für eine hochschulische Lehr- und Forschungsfreiheit gem. Staatsgrundgesetz Artikel 17 nicht gewährt wurden.
Hier wird auf die „Leipziger Erklärung" offensichtlich vergessen. Dahinter steht wohl auch die Absicht der ÖVP, insbesondere für die Hauptschullehrerinnen und Hauptschullehren eine zum AHS-Lehrer-Studium gleichwertige Ausbildung zu verhindern und damit möglich Argumente für und Tendenzen zu einer gemeinsamen Schule für alle Zehn- bis Vierzehnjährigen im Keime zu ersticken.
Es scheint so zu sein wie beim Kartenspiel: Der „Ober" (der Vorsitzende der GÖD) sticht den „Unter" (den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer). Dessen Schweigen ist jedenfalls bezeichnend.