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Schafft die Neue Mittelschule ab! Alle Schüler der Mittelstufe in ein leistungsdifferenziertes Gymnasium !

von Helmut Seel
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Schafft die Neue Mittelschule ab! Alle Schüler der Mittelstufe in ein leistungsdifferenziertes Gymnasium!

Aus der „Bildungsgruppe“ der Koalitionsverhandler war zunächst Schreckliches zu vernehmen. Das Rad der Bildungsentwicklung zurückdrehen wollte das „Haslauer“-Konzept. Der Schulsprecher der Grünen, Walser, sah die Schulverhandler auf dem Weg in die „pädagogische Steinzeit“. Ein 20%-Gymnasium sollte geschaffen werden, für welches Kinder in einem Aufnahmetest ausgewählt worden wären. In das Endergebnis der Verhandlungen haben diese Überlegungen erfreulicherweise keinen Eingang gefunden, aber eine Reform der Mittelstufe ist weiterhin nicht in Sicht.

Man sollte daher einige Fakten nüchtern betrachten.
- Derzeit besuchen ohnehin nur 35 % der Altersgruppe in Österreich eine AHS-Unterstufe, 64 % hingegen die Hauotschule/Neue Mittelschule. Das Problem ist vielmehr, dass an AHS-Standorten in den Ballungsräumen ein Einzugsog wirkt, der oft 80 % oder noch mehr Abgänger der Volksschulen in die AHS zieht. Entscheidend wirkt sich das Bildungsinteresse der Eltern aus, eine sichere Einschätzung der Befähigungen bei Kindern im Volksschulalter ist gar nicht möglich. Eine treffendere Erfassung und Fördung der Befähigten und Unterstützung der Leistungsschwächeren ist nur in einem über das Pubertätsalter hinausreichenden reversiblen Prozess möglich, wobei unterschiedliche Begabungsprofile zu beachten sind. Die sterbende Hauptschule mit ihrer Differenzierung in drei Leistungsebenen in Deutsch, Mathematik und Fremdsprache leistete eine solche Auswahl der Begabten. In ihren Gruppen der oberen Leistungsebene („erste Leistungsgruppe“) wurden laut Bildungsbericht 2012 fachspezifisch etwa 28 % der Schüler erfasst und auf den Übertritt in die Oberstufe der höheren Schulen gut vorbereitet. Auch andere Differenzierungsformen wären möglich, etwa die lehrplanbezogene Führung von gemeinsamen Grundkursen in zwei Drittel der verfügbaren Unterrichtszeit, ergänzt durch Erweiterung- und Vertiefungskursen bzw. Wiederholungs- und Übungskursen in einem weiteren Drittel der verfügbaren der vorgesehenen Wochenstunden. Aufnahmetests bei Zehnjährigen sind als punktuelle Prüfungen jedenfalls mit zahlreichen Mängeln behaftet, sodass sie mit Recht bereits 1970 abgeschafft wurden.

- Die Reduzierung auf 60 Gymnasien wird die ländlichen Regionen noch stärker benachteiligen, als dies heute schon der Fall ist. Die Zentralräume der Großstädte würden einen überproportionalen Anteil an den Eliteschulen fordern und erhalten. Derzeit besuchen in Städten mit über100.000 Einwohnern rd. 50 % der Schüler die Hauptschule/Neue Mittelschule und 45 % die AHS, in Orten mit weniger als 20.000 Einwohner frequentieren 73 % die Hauptschule/Neue Mittelschule und nur 23 % die AHS. Formal gerechter wäre eine gleiche Berücksichtigung aller Bundesländer. Das könnte etwa Vorarlberg (derzeit 23 % in der AHS) leicht bewältigen, in Wien (52 % in der AHS) wäre dies wohl nicht zu verwirklichen. Das neue Allgemeine Gymnasium könnte durchaus als Langform geführt werden. In kleineren Orten, in denen heute Hauptschulen/Neue Mittelschulen bestehen, könnte man dislozierte Klassen oder Exposituren einrichten, die nur Unterstufenklassen einer Langform-Zentralschule führen.

- Die Reform der Lehrerbildung weist im Übrigen in diese Richtung. Der österreichischen Schulorganisation (vgl. § 3 Schulorganisationsgesetz) entsprechend werden in Zukunft in Kooperation von Universitäten und Pädagogischen Hochschulen Sekundarschullehrer ausgebildet, deren Lehrbefähigung von der 5. bis zur 13. Schulstufe reicht. Sie alle sind daher auch als Gymnasiallehrer einsetzbar. Sogar die Titelfrage ist bereits geklärt, werden doch alle Lehrer mit dem Master-Abschluss den Berufstitel Professor führen.

Ein solcher Kompromiss wäre bildungpolitisch tragfähig. Die ÖVP hätte das Gymnasium erhalten, wie sie dies „in Stein gemeißelt“ hat. Die SPÖ könnte auf den Begriff Gesamtschule verzichten, hätte sie doch die allgemeine Schule für die Zehn- bis Vierzehnjährigen erreicht, in der Selektionsprozesse auf Grund von Befähigung und Leistung toleriert werden könnten. Vielleicht ließe sich das Rad der Zeit doch ein Stück in die Zukunft drehen.